Eigentlich wollte ich diesen Eintrag mit "Woke up early…" beginnen, als dann aber um 5:00 Uhr mein Wecker klingelte und ich frierend duschen durfte, fand ich das ganze nicht mehr so lustig. Ich hätte nicht auf Verwandte und Freunde hören sollen, die meinten, Essen sei zwei Stunden Fahrt von Köln entfernt. 80km sind’s, also eher 45 Minuten als 120, sodass ich gegen 7:00 Uhr im comIn in Essen war und dort noch eine Stunde warten durfte, bis sich die Hallen für Aussteller öffneten. Aber egal, viel interessanter ist wohl, wie es dort so war.
Wie ich hörte waren am Samstag rund 600 Leute da, am Sonntag waren es weitaus weniger, wohl weil es zweiter Advent war. Nachdem Markus Ortel und ich die ersten paar Stunden den provisorisch mit meiner GUADEC-Tasche dekorierten Stand betreuten kam gegen Mittag auch Jan-Arne Petersen und brachte die versprochenen GNOME-Banner mit (den von HP und den Fuß), sodass das ganze gleich viel mehr her machte. Markus präsentierte den Leuten Beagle während ich mit OO.o kämpfte und eine kleine GNOME-Präsentation vorbereitete (Download als PDF und ODP). Es zeigte sich, dass es eine gute Idee von mir war, meinen 19" LCD mitzubringen. Auf ihm ließ ich die Präsentation in einer Endlosschleife (dafür in OO.o "Art" auf "Auto" und Wert auf "0" stellen) laufen und führte bei Gelegenheit live einige GNOME-Anwendungen vor. Das machte zwar nicht ganz so viel her wie die Beamer der Debian- und Ubuntu-Stände, lockte aber trotzdem einige vorbeiziehende Besucher an, die man so hervorragend in ein Gespräch verwickeln konnte.
Neben einigen GNOME-Benutzern fanden auch viele nicht-GNOME’ler und KDE’ler den Weg zu uns, denen ich die Vorzüge von GNOME mit Ästhetik, Simplizität und "Just Works" zu verdeutlichen versuchte. Clearlooks-Cairo aus dem CVS und Tango sorgten für das Eine, eine Gegenüberstellung der Einstellungsdialoge von gEdit und Kate für das Andere. Anschließend war das Eis meist gebrochen, die Leute trauten sich endlich, individuelle Fragen zu stellen. Häufig drehte es sich dabei um das Deaktivieren des "Spatial Mode" in Nautilus oder das Ändern des Anwendungen-Menüs. Man merkte, dass sich Regressionen aus älteren Versionen (hier 2.10) lange halten; die Fragenden waren oft überrascht als wir ihnen sagten, dass man den Modus nun über die Nautilus-Einstellungen ändern und Menüs auch wieder bequem bearbeiten kann.
Mehrmals sprachen mich Leute auf vermeintliche Regressionen bei Evolution an, einige Funktionen aus 1.2 gibt es in 2.0 nämlich nicht mehr oder in anderer Form. Dass die Wettervorhersage als Kalender eingebunden werden muss, verwunderte. Dass es aber lediglich Kalender für den Amerikanischen Raum gibt stieß auf Unverständnis, schließlich funktioniert es beim Wetter-Applet doch auch.
Umher schlendernde Benutzer waren von neuen Mono-Anwendungen begeistert, insbesondere natürlich von der Desktop-Suche Beagle. Doch auch F-Spot und SharpMusique weckten Interesse an GNOME und ermöglichten weitergehende Gespräche. Insgesamt merkte man, dass Mono stark im Kommen ist und sich nur wenige um etwaige Patentquerelen scheren, sondern lieber Mono direkt in Debian und Fedora hätten.
Uns gegenüber waren Julius Bloch und Co. am Ubuntu-Stand, die fleißig CDs verteilten. Wir krallten uns auch einen Stapel für unseren Stand und wurden so unfreiwillig zur Ubuntu-Information ("Wie bekomme ich statt dem Ubuntu-Logo wieder den GNOME-Fuß ins Panel?"). Die fehlende Unterstützung proprietärer Multimedia-Formate bei Fedora, Suse und natürlich Ubuntu trieb ebenfalls einige Leute zu uns.
Insgesamt waren die Linux-Tage in Essen recht erfolgreich, es war auf jeden Fall lohnenswert, die kleine Kurzvorstellung von GNOME permanent auf meinem 19"er ablaufen zu lassen. Ein KDE-Benutzer merkte an, dass sich GNOME "seit den letzten Versionen gemacht hat" und er einen neuen Versuch wagen möchte. Monos Akzeptanz wächst ebenfalls, nach der Demonstration interessanter Anwendungen erreichten uns auch einige Fragen zur Mono-Entwicklung mit Gtk#, die teilweise auch ins Detail gingen.
Es gab nur selten über längere Zeit nichts zu tun, auch wenn man bedenken muss, dass die Leute oft in Stößen auftauchten. Erzählte man einem etwas, versammelten sich gleich mehrere Leute um einen, um mitzuhören. In Grüppchen Fragen zu stellen scheint auch einfacher zu sein.
Mein selbstbeflocktes GNOME-Poloshirt weckte übrigens auch einiges Interesse. Also, ihr Leute vom GNOME e.V., da scheint euch einiges an Merchandising-Potenzial zu entgehen!
Neben GNOME gab es noch einen weiteren Grund, wieso ich mich auf den Essener Linux-Tagen rumtrieb: die p2p Web-Suche YaCy, zu der ich demnächst noch etwas schreiben möchte. Sobald unser GNOME-Stand geräumt war trieb ich mich bei denen rum, lernte unter anderem den Hauptentwickler und ein einen weiteren Rösrather kennen. Ein schönes Foto wurde auch gemacht.