Geld verdienen ohne Arbeit

Reich werden ohne viel zu tun. Davon träumt doch fast jeder mal wenn Forbes abermals die reichsten Menschen kürt oder irgendeine Pop-Bratze durchs TV-Bild stolziert. Auch ich ertappe mich manchmal bei dem Gedanken "Was wäre wenn…?". Ja, was wäre denn dann?

Ich würde mir all den Plunder, den ich mir jetzt erarbeiten muss und über’s Jahr verteilt gönne, mit einem Mal anschaffen. Ich würde mich nicht mehr über einen fertig gestellten Auftrag der Geld bringt freuen. Und ich hätte keine Motivation mehr, etwas Produktives zu tun.

Eins meiner Lieblingscomputerspiele war Alarmstufe Rot von Westwood. Unzählige Stunden habe ich damit verbracht, die Sovietunion an die Macht zu bringen um im Abspann zu sehen, wie mittels Kane die Verbindung zum Tiberium-Universum gelingt. Einige Jahre später wollte ich den Abspann erneut sehen, hatte jedoch keine Lust, wieder ewig lange vor dem Rechner hocken. Im Netz fand ich schnell Cheats, die mir unendliche Erzressourcen sicherten. Und dann? Das Spiel wurde verdammt schnell langweilig! An meiner mit unzähligen Tesla-Spulen und FLAKs gesicherten Basis bissen sich Feinde die Zähne aus, das Missionsziel (die Zerstörung aller feindlichen Basen) war dank meinen dutzenden MIG-Staffeln kein Problem mehr. "Kein Problem mehr" … aber auch keine Herausforderung mehr.

Es heißt, "das ganze Leben ist ein Spiel". Liegt es dann nicht nahe, dass Reichtum im Überfluss uns abstumpft, uns müßig macht? Wofür arbeiten, man hat doch schon alles. Auf etwas freuen? Nein, denn man besorgt es sich sofort. Man kann sich nichts mehr gönnen zur Freude über die jüngst geleistete Arbeit. Das Gefühl, etwas geleistet, etwas fertig gestellt, zu haben, würde in seiner jetzigen Form nicht mehr möglich sein. Es würde etwas fehlen.

So anstrengend und langwierig die Arbeit manchmal auch ist, ohne sie würde wohl etwas fehlen. So sehr ich mir auch manchmal wünsche, das Geld zu haben, um mir etwas direkt leisten zu können, so sehr bin ich auch froh, nicht im Geld zu schwimmen. Die Freude, sich nach langer Zeit das Gewünschte vom hart erarbeiteten Lohn zu leisten, ist dafür jedes Mal zu groß.

12 Responses to “Geld verdienen ohne Arbeit”

  1. Hmm. Warum übersetzt du dann für GNOME bzw. maintainst das Ganze? Oder sponsert dich dafür jemand? Würdest du das nicht mehr machen, wenn du das "große Los gezogen hast"?

    [Ich zumindest wüsste was ich arbeiten kann, auch ohne Geld verdienen …]

  2. Jan says:

    Ganz meine Meinung! Wie unser Erdkundelehrer (ja, der!!) schon gesagt hat: Arbeit ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Das habe ich bei meinem Zivildienst gesehen – die psychisch Kranken wollen einfach nur das Gefühl haben, etwas Sinnvolles (Ansichtssache…) mit ihrer Zeit bewirkt zu haben. Und ich sehe es auch immer bei mir selbst. Du hast recht, so hart es auch sein mag, manchmal nicht genug Freizeit zu haben, so froh und stolz ist man doch, wenn man irgend eine Arbeit abgeschlossen hat. So empfinde ich jedenfalls. Dann kann man sich das obligatorische Bier gönnen und glücklich einschlafen.
    Ich glaube, ohne Arbeit, würde ich das Leben, vorallem die ruhigen Zeiten gar nicht so sehr schätzen.

  3. hendi says:

    @Christian: Für meine Arbeit an GNOME werde ich nicht bezahlt und tue dies, da ich dem Projekt etwas zurück geben möchte. Wenn ich reich wär würde ich sicherlich noch mehr Zeit darin investieren, da mich dann nicht andere Dinge davon abhalten würden ;)

    Es geht mir gar nicht darum zu sagen, dass ich nichts mit mir anfangen wüsste, wenn ich keine Arbeit hätte. Im Gegenteil, es gibt so viele Dinge die ich gerne tun möchte, für dich aber so wenig Zeit habe neben Uni und Arbeit.

    Ich denke jedoch, dass etwas fehlen würde ohne den Druck, ohne den Zwang, etwas tun zu müssen. Wenn einem alles zugeflogen kommen würde …

    @Jan: Dein letzter Satz bringt’s auf den Punkt. Ohne Regentage merkt man nicht, wie schön ein sonniger Tag ist. Ohne Schatten wirkt das Licht weniger hell. Ohne Arbeit ist die Freizeit kein erstrebenswertes Ziel mehr.

  4. Alex says:

    Ich muss ehrlich sagen ich persöhnlich sehe das ganz und gar nicht so. Ich denke nicht, dass man alle bisherigen Ziele automatisch aufgibt, sobald man den finanziellen Part des Lebens abgesichert hat. Möchte man arbeiten, so steht einem dies doch immer noch frei. Möchte man sich hierbei noch Ziele setzen, so ist das doch immer noch möglich, nur ist das Warten nicht mehr durch äußeren Zwang (keine Kohle) begründet, sondern durch freien Willen. Hierbei kann man dann auch nebenbei seinen Durchhaltewillen stärken, indem man eben nicht frühzeitig schwach wird, sondern die Arbeit durchzieht und sich dann dafür belohnt.

  5. Silvi says:

    Also ich bin der ähnlichen Meinung wie Hendi und gebe dir den Musik Tipp: Lazy Youth mit "Alles aber nichts" . Gefällt dir bestimmt :)

    LG Silvi

  6. Icke says:

    Icke glaube dess is ne Sache der Lebenseinstellung. Wir sind die Generation der Selbstverwirklichung. Geldverdienen musste man nach dem Krieg :)

  7. Marian says:

    Ich kann deine Meinung auch nicht teilen. Finanzielle Absicherung würde nur endlich den Druck von den Schultern nehmen und völlige Unabhängigkeit bescheren. Bessere "Arbeitsbedingungen" kann man sich doch gar nicht wünschen. Bestimmt würde man alles etwas langsamer angehen lassen, aber die Dinge die einem wichtig sind würde ich jedenfalls trotzdem machen.
    Bestes Beispiel sind Bill Gates und Warren Buffet die sich trotz diesem riesigen Privatvermögen jetzt der Philantropie verschrieben haben.

  8. Marian says:

    Womit ihr denke ich recht habt ist natürlich der Punkt das man schöne Dinge nur zu schätzen weiss, wenn man auch die Schattenseite kennt. Oder wie Seneca gesagt hat: "Per aspera ad astra." sinngemäß: Durch die Scheiße zu den Sternen. ^^

  9. Schamberger says:

    Einfach eine geniale Übersetzung von Seneca – ist mir neu – aber der Sinn des Zitates bleibt erhalten!

  10. Robert says:

    Also ich könnte auch ohne Arbeit mit meinem Leben etwas anfangen. Das Problem ist nur: Ich hätte dann viel Zeit und würde Geld benötigen, um mit der Zeit etwas anzustellen. Dann wäre mein Geld schnell aufgebraucht und ich müsste wieder arbeiten, um neues Geld zu verdienen ;-(

  11. hans says:

    so ich muss mal so sagen, reich? was ist reich? geld? ja das wäre schön.
    aber das will ich nicht……natürlich wäre es sehr schön…..aber in diesem leben werde ich es nicht mehr schafen reich zu werden…….

    mir würden schon ein paar euro reichen das ich mir ein fahrrad kaufen kann, um in die arbeit zu kommen.
    das schlimme ist ich kann mir nicht mal ein fahrrad leisten um in die arbeit zu kommen und so muss ich immer zu fuß gehen kann mir nicht mal ein ticket für den scheiss bus leisten.

    so viel zum thema reich

  12. Ingo says:

    Also grunsätzlich, Reichtum is keine Anhäufung von Geld (auch wenn es gern so gesehen wird), sondern wahrer Reichtum ist Macht über Andere.

    Aber der Titel hier lautet “Geld verdienen ohne Arbeit”, und nicht “Geld anhäufen wie Dagobert Duck”.
    Persönlich wüsste ich mit den acht Stunden pro Tag, die ich aufwenden muss um mein “normales” Leben zu führen, auch etwas anderes anzufangen. Unglücklicherweise geht das nicht ohne Geld (so ist unser System leider). Ergo, hätte ich keinesfalls etwas dagegen, ein geregeltes Einkommen, welches für mein “normalo” Leben reicht, zu haben auch ohne irgendwem (Arbeitgeber) dafür Zeit zu opfern.

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