Flutkatastrophe und Spendenufrufe

Bevor wir nach London geflogen sind, hörte ich von 20.000 Toten in Südasien. Eine wirklich erschreckend hohe Zahl. In Rösrath leben um die 20.000 Menschen… In London angekommen prangte auf einer Zeitung eine große “40.000”, mittlerweile sind es geschätzte 150.000! Überall wird zum Spenden aufgerufen, man solle statt Geld für Böller zu verplempern ileber spenden. Ich habe dieses Jahr so wie all die Jahre zuvor kein Geld für Böller oder ähnliches ausgegeben. Heute sind alle Feiertage um, die Banken haben wieder auf und man kann spenden.

Wieso sollte man gerade für die Opfer des Tsunamis spenden? Wie viele Menschen sterben täglich in Afrika und anderen “Dritte Welt-Ländern” an AIDS oder sonstigem? Sollte man nicht auch für die spenden? Oder gibt es für die eh keine Hoffnung, solange die Ursache der Probleme (mangelnde Bildung, Hygiene, Geld usw.) nicht bekämft wird? Oder sollte man lieber etwas an deutsche Krankenhäuser spenden, damit deren Patienten besser behandelt werden? Wer kann sich anmaßen zu entscheiden, wem bzw. wofür man etwas spenden sollte?

Oder besser: Wofür sollte man spenden, um das Richtige zu tun?

Aus aktuellem Anlass sollte man sicherlich für die Opfer der Flut spenden, sie brauchen das Geld jetzt und nicht später. Man sollte jedoch ernsthaft überlegen, ob man nicht nur bei solchen durch die Medien populär gewordenen Katastrophen spenden sollte, sondern auch dabei helfen kann, das Leid in anderen Teilen der Welt zu anderen Zeiten zu lindern. Sprich: heute für die Flut spenden, und dann? Übermorgen für die AIDS-kranken Kinder in Afrika, nächste Woche für Amnesty International und nächsten Monat für deutsche Krankenhäuser?

Ich war eben auf der Bank und habe etwas Geld eingezahlt, anschließend habe ich in einer Bäckerei ein paar Croissants und Brötchen gekauft. 2,25 € zum Fenster rausgeschmissen, die Scheiben Brot hier zu Hause hätten meinen Hunger genau so gestillt. Gerade höre ich Musik mit meiner 300 DM Stereoanlage und sitze an meinem 500 € 19″ Flachbildschirm. Hätten es 17″ nicht auch getan? Das wären 200 € mehr gewesen. Wenn man so denkt sieht man erst, wie gut es uns in Deutschland doch eigentlich geht. Fast niemand kann mir erzählen, dass er hier wirklich arm ist. Das Arbeitslosengeld wird gesenkt, gibt es also Samstags kein Steak mehr sondern nur noch Pizza. Verhungern oder sterben muss trotzdem niemand.

Wer für die Opfer der Flut spenden will findet beispielsweise beim ZDF eine Liste mit Hilfsorganisationen.

Ich habe soeben übrigens 300 Euro an Aktion Deutschland hilft (Johanniter, Malteser Hilfdienst, action medeor, Arbeiter-Samariter-Bund, Arbeiterwohlfahrt, HELP, CARE, Paritätischer Wohlfahrtsverband, ADRA, World Vision; Bank für Sozialwirtschaft Köln; BLZ 370 205 00; Konto 10 20 30; Stichwort: Seebeben) gespendet.

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