Kurzurlaub in London

Tag 1: Mittwoch, 29.12.2004
Am 29.12.2004 sind wir morgens um 6:30 nach London geflogen. Die erste Überraschung gab es bereits auf dem Köln/Bonner Flughafen. Anstatt der üblichen paar Kontrollen wurden wir mehrere Male kontrolilert:

Check In #1: Kontrolle Flugticket, Handgepäck-Kontrolle, Kontrolle auf Waffen am Körper
Check in #2: Kontrolle auf EU-Pass, Handgepäck-Kontrolle, Kontrolle auf Waffen am Körper, Kontrolle auf Flugticket, Kontrolle auf Flugticket passend zum Pass
Im Flugzeug: Kontrolle auf Flugticket

Die Engländer scheinen das Thema Sicherheit wohl ziemlich ernst zu nehmen.

Nach einer guten Stunde Flugzeit sind wir in London Heathrow angekommen wo ich als der Englisch-Sprecher in der Familie das Vergnügen hatte, unsere Fahrkarten für Bus & U-Bahn abzuholen. Man sah sofort, dass die DHL-Werbung Recht hat: Engländer lieben es wirklich, in der Schlange zu stehen. Auf Rolltreppen stehen alle diszipliniert hintereinander auf der rechten Seite und auch sonst gibt es nirgendwo Gedränge. Das U-Bahn-Netz zeigt wirklich, wie eine solche Infrastruktur auszusehen hat; die Londoner sind damit Lichtjahre vom System der Deutschen Bahn entfernt. Schwarzfahren ist nicht möglich, man kann die U-Bahn nur mit gültigem Ticket betreten und verlassen. Die Bahnen fahren im 2 Minuten-Takt, verpasst man eine ist es nicht schlimm, auf die nächste zu warten. Mit der “Tube” kommt man an alle wichtigen Punkte Londons, sogar als Ortsunkundiger ist es dank der einfachen Pläne kein Problem, dich richtigen Bahnen zu finden. Wenn ich da an die Straßenbahnen in Köln denke, deren Fahrpläne eher wie eine riesige Tabelle über Firmeneinkünfte und -umsätze aussehen…

An unserem Zielpunkt Picadilli Circus angekommen bemerkten wir dann, dass unser Hotel direkt neben der U-Bahn war. Super, mussten wir die Koffer wenigstens nicht noch ewig lange rumschleppen. Einchecken im Hotel war allerdings erst ab 13 Uhr möglich, also hatten wir noch eine Menge Zeit. Wir verstauten die Koffer und suchten etwas zu essen. Direkt neben dem Hotel lag ein Imbiss, in dem wir Bagel und Baguettes für je 5 Pfund aßen – 7.50 für ein trockenes Pseudo-Brötchen in Donut-Form! London ist teuer. Danach dackelten wir etwas durch die Straßen, zum Palast, zum Westminster-Abbey und den ganzen Sehenswürdigkeiten, die man auf einem Ausflug nach London sehen sollte.

Dann war es endlich soweit, wir konnten einchecken. Wir stellten uns also brav hinten an der Schlange an und warteten mehr oder weniger geduldig, bis wir dran waren. Ich checkte uns ein und bekam die Schlüsselkarten zu unseren bestellten Doppelzimmern mit Bad. Wir brachten die Koffer nach oben in den sechsten Stock, schlossen die Zimmer auf und… kein Bad da! Es gab lediglich ein Gemeinschaftsbad für alle Hotelgäste dieser Etage. Nicht mit uns, sowas ist nun wirklich nicht nötig. Also zurück ins Erdgeschoss wo ich an der Rezeption unser Problem erkläre. Mein Vater versucht mich mit Vergewaltigungen der englischen Sprache zu unterstützen, was ihm aber nicht so ganz gelingt… “not so yet” – “nicht so jetzt”; “What’s your name?” – “Neckermann”; “I’ll ask around, please wait a minute.” – “You can phone with Germany”. Schließlich war es dann aber doch geschafft, wir bekamen die bestellten Zimmer, die nun endlich ein Bad haben. Dieses wurde jedoch vor einigen Jahren nachträglich eingebaut, sodass es äußerst eng war (geschätzte 2m²) und mir die Dusche nur bis zur Schulter ging… gebückt Duschen ist schon was feines. Im Zimmer unserer Eltern war das Telefon in zwei Teilen, also runter zur Rezeption: “Hello, our phone in room four one oh one is broken.” – “It is broken?” – “Yes, it is broken into two parts.” – ungläubig: “It is what?!” – “It is broken into two parts, the front and the back don’t stick together”.

Abends ging es dann ins Phantom der Oper, welches wir uns im Frühjahr 2003 bereits auf Deutsch anschauten. Auf Englisch war es jedoch noch besser als auf Deutsch, jedenfalls für mich, der fast alles verstand. Es war haargenau das selbe wie damals, von den Spinnweben an der Bühne bis hin zur Dekoration und der Kleidung der Darsteller. Naja, fast haargenau, einmal drehte sich der Darsteller von Raoul kurz um, hustete bzw. nießte, räusperte sich und begann wenig später zu singen. Bei der Anfangsovertüre (“The phantom of the opera is there…”) lief es mir kalt den Rücken runter, das war wirklich genial. Die epische Musik war klasse und hatte die richtige Lautstärke, sodass ich wirklich eine Gänsehaut bekam. Bei “Think if Me” hätte man anfangen können zu weinen, war auch klasse vorgetragen. In der Pause zwischen den beiden Akten lief ein Großteil des Publikums auf die Toilette, sodass man auch dort sehen konnte, wie man sich vor Toiletten, Pissoirs, Waschbecken und Händetrockner ordentlich in Reih’ und Glied stellt.

Tag 2: Donnerstag, 30.12.2004
Donnerstags marschierten wir wieder durch London und besichtigten unter anderem die Tower Bridge. Danach stand ein Besuch bei Madame Tussaud’s Wachsfigurenkabinett an. Ich hätte nicht gedacht, dass die Figuren so täuschen echt aussehen. Ich habe einigen mal lange in die Augen gestarrt, es war wirklich nicht leicht zu erkennen, ob es eine Figur oder ein echter Mensch war, der einen so anstarrte. Teilweise merkte ich sogar, dass eine mir unbekannte Person gar keine Wachsfigur war sondern nur ein Besucher, der für kurze Zeit unbewegt da stand. Wir machten einige Fotos von Jennifer Lopez über Nicolas Cage bis hin zu George Cloney, mit dem meine Mutter gemütlich zu Abend aß.

Anschließend ging es ins Harrods, ein riesiges Kaufhaus, das Abends wunderschön beleuchtet war. Es ist definitiv zu groß, um an einem halben Tag alles dort zu sehen. Dort fand man alles, besonders teure Designer-Sachen waren nicht schwer zu finden. Von Gürteln für 200 Pfund über Fernseher für 8000 Pfund gab es dort alles – ich leistete mir ein Lachsbrötchen für 2 Pfund.

Tag 3: Freitag, 31.12.2004
Am letzten Tag gingen wir Vormittags noch etwas durch London, wo ich mir ein paar CDs und leckeren grünen Tee leistete. Man konnte sich in dem Tee-Geschäft sogar seine eigene Sorte aus verschiedenen Tees und Aromen mischen, was ich jedoch sein ließ – wäre bestimmt nichts gutes bei raus gekommen. Danach ging es auch leider schon wieder zurück in Richtung Flughafen.

Abschließend bleibt zu sagen, dass London eine schöne Stadt ist in der man in drei Tagen auf keinen Fall alles sehen kann, leider stand uns nicht mehr Zeit zur Verfügung. Die Engländer waren wirklich sehr nett, egal, ob ich jemanden aus Versehen anrempelte oder im Weg stand, immer hörte ich ein freundliches “Excuse me.”. Sogar die Schilder sind freundlicher als bei uns, im Harrods heißt es “Geehrte Gäste, wir bitten Sie freundlichst, vor dem Verlassen ihre Waren zu bezahlen” und auch sonst eher “Mind your head” anstatt “Achtung Stufe!”. Es wird viel Wert auf Ordnung gelegt, woran sich sogar viele halten. Auf Rolltreppen steht man rechts, gebettelt wird in der U-Bahn nur an bestimmten Plätzen und auch nur mit Niveau (sprich: Musik mit Klampf machen, nicht einfach einen Hut hinlegen), das Trinken in der Öffentlichkeit kann in der U-Bahn mit bis zu 500 Pfund und nahe dem Palast sogar mit 2500 Pfund bestraft werden.

Für alle diejenigen, die es interessiert gibt es auch noch alle Fotos zu sehen.

4 Responses to “Kurzurlaub in London”

  1. Marian says:

    Lustiger Text *g*, vor Allem die Hotelgeschichte.
    War auch schon in London, allerdings nur einen Tag, ham ne Sightseeingtour mit einem dieser Doppeldeckerbusse gemacht und warn auch im Harrods einkaufen. Die Toiletten da sind zwar sehr nobel aber auch sehr teuer, wenn ich mich recht erinnere 1 Pound für einmal benutzen. Leider hatten wir keine Zeit für das schöne Wachsfigurenkabinett.

  2. Kim says:

    Krass, wusste gar nicht, dass du so nen Tagebuch führst! Coole Bilder!

  3. mr skin says:

    J Lo put the B back in Booty. Now all of the followers want big butts.

  4. Damian says:

    echt schade, dass die Bilder nicht mehr gehen. habe auch schon mit den gedanken gespielt mal nach london zu fliegen ;-)
    Es mangelt zurzeit jedoch noch an geld…

    gruß
    damian

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